Vorwort

Sehr geehrte Leserin und Leser,
Sie werden mich nicht kennen, aber das ist nicht schlimm, meine Person tut auch nichts zur Sache. Mein Name ist Rolf Schneidewindt, ich war ein Kommilitone von Paul Hartung aus unserer gemeinsamen Studienzeit in Heidelberg. Erst vor kurzem rief er mich Überraschend an, kurz nach dem er von seiner Reise nach China zurückgekehrt war. “Hallo, wie geht es dir … ich bin´s, Paul. Wo bist du? Hast du Zeit? Es wäre wichtig für mich” so, oder so ähnlich waren seine Worte, er klang sehr aufgeregt.

LupeIch hatte Zeit und wir trafen uns umgehend in bei “unserem” Italiener, einem ruhigen Café am Adenauer Platz. Er trug einen schwarzen Aktenkoffer, “Fast wie ein Agent” dachte ich belustigt bei mir und nahm mit ihm an dem uns dargebotenen Tisch Platz.
Da es bereits später Nachmittag war, bestellten wir zu unserem üblichen Espresso noch ein Gläschen von diesem hervorragenden Grappa, den Guiseppe für besondere Gäste unter dem Tresen verbarg. “Was gibt es, mein Bester?” fragte ich Paul nachdem wir die Bestellung aufgegeben hatten. “Du klangst am Telefon sehr Aufgeregt” fügte ich hinzu.

briefe“Es ist folgendes” antwortete Paul “Du erinnerst doch an meinen Großvater Ernst, ich habe dir doch die Geschichte erzählt. Nun hat sich ergeben, das ich noch mehr Briefe, Dokumente und dergleichen aus China von seinem Enkel Jiang zugesandt bekam, auch hat mir der Herr Weber aus dem Archiv in Eisenach noch mehr Material geschickt. Nun, sie sind fast alle in Sütterlin verfasst … ähh, und ich dachte mir…” “Dein alter Kumpel wird´s schon richten!” fiel ich ihn ins Wort “Ja, ja, ja… das habe ich gerne!”

suetterlinEs ist wahr, meine Patentante Erna hatte mir “Deutsch”, wie sie es nannte, im Alter von 5 Jahren beigebracht. Die Bezeichnung “Sütterlin” lehnte sie stets ab – “Das klingt nach der Schweiz” pflegte sie immer zu sagen. Wie grob empfand ich damals in der Schule die lateinischen Buchstaben, wie Micky Maus neben einem Michelangelo. Wir tranken unsere Getränke aus, schwatzten noch ein wenig, verabschiedeten uns und gingen unserer Wege.

KiautschouDaheim angekommen, nach dem Ablegen des Mantels, denn es war für diese Jahreszeit noch ungewöhnlich kühl, legte ich Pauls schwarzen Aktenkoffer auf meinem Schreibtisch ab und ließ die Schlösser aufschnappen. Im Koffer lagen mehrere Bündel von Briefen. Mir fielen gleich die in Sütterlin verfassten Briefe auf, auf einigen klebte eine Briefmarke mit einem Schiff und der Aufschrift “Kiautschou”, welche ich mir genauer ansah, ich bin ja Philatelist.

lanlanWeiterhin beinhaltete der Aktenkoffer ein in blauen Seidenstoff gebundenes Büchlein, weitere Bücher mit Ledereinband und noch mehr Maschinen geschrieben Briefe und Dokumente. “Da hast du mir ja eine schöne Arbeit aufgeladen, mein alter Freund und Kupferstecher” dachte ich bei mir während ich Anfing die Briefe in chronologische Reihenfolge zu bringen. Nach dem groben Vorsortieren machte ich mich auch gleich an die Arbeit…

Über zwei Jahre sind seither vergangen, ich kann mir selber kaum erklären wo die Zeit geblieben ist, aber es ist vollbracht und ich habe meine Arbeit abgeschlossen. Damit ist meine Geschichte erzählt, nun wissen Sie, wie es zur Entstehung nachfolgender Seiten kam, seien Sie gespannt. Doch nun genug des Vorworts, lesen Sie am besten selbst die fast unglaubliche Geschichte von Pauls Großvater Ernst Hartung.

Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen,
ihr

Rolf Schneidewindt

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